Saxum-Spendenzusage ermöglicht dem Chemnitzer WeltBeweger e.V. die Umsetzung wichtiger Hilfsprojekte in Tansania noch in diesem Jahr.

Würdevoll leben kann nur, wer von anderen unabhängig ist. Was wir Menschen in der sogenannten ersten Welt stets selbstverständlich für uns in Anspruch nehmen, haben wir in vielen Jahrzehnten Entwicklungshilfe für Afrika vielfach übersehen. Statt Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu fördern, schufen wir eine immer größere Abhängigkeit – von unseren Spenden, von unseren Hilfsorganisationen, von unserer Handelspolitik. Längst ist klar: Die Menschen in Afrika haben nur dann eine faire Chance, wenn wir Ihnen mit Nächstenliebe und auf Augenhöhe begegnen, um sie dabei unterstützen, ihr eigenes Potential zu entfalten. Es muss generell selbstverständlich sein, Entwicklungsprojekte nicht für, sondern mit den Menschen vor Ort zu planen und umzusetzen.

Davon ist auch der Arzt und Mitbegründer des gemeinnützigen Vereins WeltBeweger Deutschland e.V. Chemnitz, Dr. Andreas Walther, fest überzeugt. WeltBeweger bezeichnet sich selbst als überkonfessionelles Missionswerk, hervorgegangen aus einer Initiative von Christen verschiedener Gemeinden, die es auf dem Herzen haben, christliche Werte in Beruf und Gesellschaft zu integrieren. Ihre Vision, durch christliches Handeln die Welt zu bewegen, hat ihren Ursprung im Jahr 2015. Andreas Walther und seine Frau, die Grundschullehrerin Tanja, waren zu einem medizinischen Einsatz in Tansania unterwegs. Die Begegnung mit Menschen vor Ort ließ eine tiefe Verbindung entstehen und der gedankliche Grundstein für WeltBeweger war gelegt.

Das inzwischen gewachsene WeltBeweger-Team engagiert sich heute in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen und erhielt Anfang 2020 den ersten Chemnitzer Friedenspreis. Doch die „WorldChangerVision“ und der Einsatz in und für Tansania ist ein wichtiger Schwerpunkt geworden. Das Spektrum der Projekte reicht dort derzeit vom Waisenkinderdienst mit Patenschaftsprogramm über ein Ausbildungsprojekt für junge Frauen zur Näherin bis hin zur Anpflanzung der Artemisia Pflanze, die preiswert einen wirksamen Tee gegen Malaria liefert. Seit März 2020 können sich die Ärmsten in einer Kräuter-Klinik ärztlich untersuchen, beraten und mit Natürlicher Medizin behandeln lassen. Andreas Walther erklärt, warum sich WeltBeweger gerade auf diese Themen konzentriert.

Waisenkinderdienst und Patenschaftsprogramm

Wer in Tansania ohne Familie ist, hat schlechte Karten. Waisenkinder haben oft keine Möglichkeit, etwas aus ihrem Leben zu machen. Sie leiden nicht selten unter seelischenVerletzungen, weil Vater und Mutter fehlen. Außerdem können sie meist keine Schule besuchen und sind somit quasi chancenlos. Zwar kommen einige Waisenkinder bei Freunden oder Bekannten unter, doch dort leben sie teilweise unter schwierigen Verhältnissen und nur als „Geduldete“.  Die Mitarbeiter vor Ort besuchen die Waisenkinder jede Woche und versorgen sie mit dem Notwendigsten wie Seife, Zahnpasta oder Reis. Aktuell kümmert sich WeltBeweger um 40 Waisenkinder und ermöglicht ihnen mit einer deutschen Patenschaft die Schulbildung, Schuljahr für Schuljahr. Bildung und Förderung ist der einzige Ausweg aus der Armut, so Andreas Walther. Die laufenden Kosten, wie z.B. Gehälter für die Mitarbeiter vor Ort – alles Einheimische – werden aus Spenden getragen.

Ausbildung von jungen Frauen zur Näherin

Eines der WeltBeweger-Ziele ist es, den Menschen vor Ort zu helfen, eine berufliche Existenz aufzubauen. Deshalb hat das  WorldChanger-Team in Tansania 2019 eine Berufsschule gestartet mit derzeit 16 Schülern. Ein kleines Team von Lehrkräften  unterrichtet die Schüler in 5 Fächern. WeltBeweger hatte im Vorfeld in Deutschland alte Nähmaschinen mit Fußantrieb gesammelt, die den Auszubildenden zur Verfügung gestellt wurden. 

Anbau von Artemisia gegen Malaria

Malaria ist die Haupttodesursache in Tansania. Jedes Jahr sterben daran ca. 60.000 Menschen, obwohl eine Behandlung möglich wäre. Die meisten sind jedoch zu arm, um die Medikamente zu kaufen. Deshalb bauen die WeltBeweger mit ihrem Team die Artemisia-Pflanze an, die Malaria effektiv bekämpfen kann. Der heilsame Artemisia-Tee wird dann kostenlos an Waisenkinder und arme Familien verteilt. Mittlerweile werden auch weitere Heilpflanzen wie z.B. Moringa olifera und Euphorbia hirta angebaut, um auch andere Krankheiten mit natürlicher Medizin zu bekämpfen. Dazu hat WeltBeweger in dem kleinen tansanischen Ort Mugumu zentrumsnah eine „Herbal-Clinic“ (Kräuter-Klinik) eröffnet, wo sich Bedürftige und Waisenkinder kostenlos untersuchen und behandeln lassen können. Eine wichtige Bereicherung für den Ort. 

In Deutschland müssen wir erkennen, dass solche Maßnahmen in Tansania schon mit erstaunlich geringen Investitionen möglich sind

Eine umfangreiche Spendenzusage der Saxum AG aus Chemnitz eröffnet nun die Möglichkeiten, lange gehegte Pläne zu realisieren. Und der Arzt Andreas Walther ist überzeugt, Gott überlässt nichts dem Zufall. Und deshalb passiert alles zur richtigen Zeit. Beispielsweise die Verfügbarkeit eines Grundstücks in Tansania, das mit den Saxum Spenden vor Kurzem erworben werden konnte. Das zwei Hektar große Areal bietet ideale Voraussetzungen: Wasser und Strom sind in der Nähe verfügbar und die Fläche ist geeignet, die verschiedenen WeltBeweger-Projekte nun unabhängig fortzuführen und – dem Bedarf entsprechend – weiter entwickeln zu können. 

Gleich an erster Stelle steht ein Bauvorhaben. Für bis zu 20 Waisenkinder soll eine Notunterkunft entstehen, in der vorübergehend Zuflucht und Obdach geboten werden. Ebenfalls bereits in Planung: ein Berufsschulzentrum für bis zu 200 Schüler mit angeschlossenem Internat für Jugendliche aus weiter entfernten Dörfern. Auch ein Speisesaal ist Teil dieses Projektes. Wenn diese wichtigen Dinge für die Zukunft der Region umgesetzt sind, so erzählt Andreas Walther, soll später auch ein Gästehaus entstehen, wo Besucher und Voluteers untergebracht werden können. Ein wichtiger Schritt, damit freiwillige Helfer zum Beispiel aus Deutschland auch längere Zeit untergebracht werden können oder Waisenkinder ihre Paten und Förderer einmal persönlich kennenlernen.

Auch für landwirtschaftliche Projekte ist das neue, eigene Areal der WeltBeweger groß genug. Die Fläche bietet nicht nur Platz für weitere Heilpflanzen. Seit Januar können hier Berufsschüler aus ärmsten Verhältnissen Mais und Bohnen anbauen, um selbst aktiv etwas gegen den Hunger tun zu können. Für uns in Deutschland ist wichtig zu erkennen, dass solche Maßnahmen in Tansania schon mit erstaunlich geringen Investitionen möglich werden. Andreas Walther verdeutlicht das so: All die Maßnahmen, die wir mit der Unterstützung seitens Saxum nun beginnen, kosten nicht mehr als eine kleine Eigentumswohnung auf dem Chemnitzer Kaßberg. 

Natürlich hätten die Corona-Einschränkungen den Zeitplan nun erstmal durcheinander gebracht. Eine für das Frühjahr geplante Reise nach Tansania zu Vorbereitung der Bauphase musste erstmal abgesagt werden. Dennoch ist man beim WeltBeweger e.V. optimistisch, dass noch bis Ende des Jahres oder zu Beginn 2021 die Notunterkunft für Waisenkinder zur Verfügung steht. Die Saxum Stiftung hat sich mit der Arbeit des WeltBeweger Deutschland e.V. intensiv beschäftigt, bevor Zusagen für die Unterstützung in Tansania gemacht wurden. Überzeugt hat schließlich, dass bei WeltBeweger keinerlei Verwaltungsorganisation durch Spenden finanziert wird. Alle Helfer arbeiten ehrenamtlich. Es fließen keine Gehälter oder sonstige Zahlungen zurück nach Europa oder Deutschland. Alle gespendeten Mittel werden für Investitionen vor Ort oder Gehälter von Einheimischen verwendet. Die WeltBeweger schaffen in Tansania keine Abhängigkeit von europäischen Programmen, sondern fördern die Fähigkeit zu Selbsthilfe und Potentialentfaltung in Afrika.

Mehr über den WeltBeweger e.V. erfahren Sie hier:

https://www.weltbeweger.eu